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Empirische Forschung: Definition und Anwendung

Lesezeit: 13 Minuten
Empirische Forschung ist nicht nur bei sozialwissenschaftlichen Studien eine anerkannte Methode, um neue Erkenntnisse zu ermitteln. Auch Unternehmen und Marktforschungsinstitute profitieren von dieser effizienten Form der Datengenerierung- und Auswertung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die richtige Forschungsmethode für Ihr Unternehmen finden und warum empirische Studien Ihren Unternehmenserfolg nachhaltig beeinflussen.


Empirische Forschung: Definition

Empirische Forschung zählt als wissenschaftliche Methodik, die mithilfe von Befragungen, Beobachtung und Messung Aussagen über die Realität trifft. Bei einer empirischen Studie versuchen Forschende ihre Hypothesen (theoretisch abgeleitete Aussagen) anhand von Fakten und Informationen zu überprüfen. Je nach Verlauf der empirischen Untersuchung nehmen sie die Hypothesen an oder verwerfen (falsifizieren) sie.

Es gibt verschiedene empirische Methoden, die entweder univariat oder multivariat sind:

  • Univariate Methoden beschränken sich auf die Beobachtung eines Sachverhaltes (z. B. die Entwicklung der Kaufkraft).
  • Multivariante Methoden möchten Zusammenhänge zwischen mehreren Sachverhalten ergründen (z. B. Abhängigkeit von Kaufkraft und Marktwirtschaft).

Empirische Forschung: Vor- und Nachteile

Empirische Forschung hat als Ziel, Sachverhalte wissenschaftlich zu untersuchen und so zu gesicherten Erkenntnissen zu gelangen. Speziell in der Marktforschung erweist sich dies als äußerst nützlich. Doch wie jede Forschungsrichtung hat auch die empirische Studie ihre Vor- und Nachteile.

Vorteile der empirischen Forschung

  • Gewinnung neuer Erkenntnisse
  • Durchführung einer Forschung mit konkretem Praxisbezug
  • Die Forschung basiert nicht nur auf Literatur, sondern auf angewandter Feldforschung.

Nachteile einer empirischen Untersuchung:

  • Abhängigkeit von der Kooperation der Teilnehmenden
  • Hoher Arbeits- und Planungsaufwand
  • Oft wird bei empirischer Forschung ein künstliches Umfeld erstellt, sodass sich die Ergebnisse nur eingeschränkt auf die Realität anwenden lassen

Durchführung von empirischen Studien – Schritt für Schritt

Empirische Forschung beruht auf Beobachtung sowie die Erfassung von Erfahrungen. Deswegen sollte sie unbedingt gut organisiert sein. Zur Durchführung des Experiments oder der Studie schafft ein Step-by-Step-Plan ein hilfreiches Grundgerüst. So lässt sich der Prozess anhand einzelner Schritte sowohl nach- als auch zurückverfolgen.

  • 1. Schritt: Das Forschungsziel der empirischen Studie definieren.
  • 2. Schritt: Die Theorien ausarbeiten sowie relevante Literatur sichten.
  • 3. Schritt: Hypothese erstellen und messen
  • 4. Schritt: Die Methodik der empirischen Studie sowie das Forschungsdesign ausarbeiten und Daten generieren.
  • 5. Schritt: Die Daten analysieren, um festzustellen, ob die Hypothese tragfähig ist. Anschließend ist das Ergebnis zu präsentieren.
  • 6. Schritt: Den Abschlussbericht verfassen inklusive Auflistung der verwendeten Literatur, der zugrundeliegenden Theorie sowie der gesamten Forschungsarbeit. Neben einer Executive Summary geben Forschende oft noch Handlungsempfehlungen z. B. für darauf aufbauende empirische Studien.

Das Forschungsdesign bei einer empirischen Forschung

Zu Beginn der empirischen Forschung ist die Wahl des passenden Forschungsdesigns essenziell:

  • Belegen der Gültigkeit und Zuverlässigkeit der Forschung
  • Ermöglichen der Wiederholbarkeit
  • Gerüst und Leitfaden während des Prozesses

Die Art des Designs hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet ab. Einige Forschungsdesigns beinhalten sowohl qualitative als auch quantitative Methoden. Wichtig ist, dass das Forschungsdesign den genauen Forschungsablauf abzeichnet und definiert.
Nicht zuletzt müssen Parameter (Beschreibung der Probanden wie deren Alter oder Geschlecht) ausfindig gemacht werden, die die Gültigkeit des Forschungsdesigns ermöglichen.

Methoden der empirischen Forschung

Die gewählte Forschungsmethode stellt die Basis der empirischen Forschung dar. Es ist daher wichtig, das richtige Vorgehen zu wählen, um die gewünschten Daten zuverlässig generieren zu können. Es existieren zwei verschiedene Modelle, die quantitative und die qualitative Forschung. Sie unterscheiden sich in:

  • Der Datenerhebung
  • Der Anwendung
  • Den Stichproben
  • Der Aufschlüsselung der Hypothese

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Quantitative Forschungsmethode in der empirischen Forschung

Mithilfe der quantitativen Forschung lassen sich in einer empirischen Untersuchung große Mengen an numerischen Daten sammeln. Diese Methode dient dazu, Meinungen, Verhaltensweisen und andere vordefinierten Variablen zu quantifizieren. Dafür nutzt sie ein vorgegebenes strukturierteres Format. Häufig verwendete Verfahren sind zum Beispiel Online-Umfragen, Längsschnittstudien oder Abstimmungsformate

Umfrageforschung:

Die Umfrageforschung erfordert in der Regel eine große Stichprobe, um damit eine umfassende Datenmenge zu generieren. Diese Herangehensweise der empirischen Forschung beinhaltet eine vorgegebene Reihenfolge von geschlossenen Fragen, die relativ einfach zu beantworten sind. ergibt sich meist eine hohe Rücklaufquote. Die Umfrageforschung ist dieam häufigsten verwendete Methode für alle Forschungsarten.

Praxisbeispiel: Neuen Studien zufolge decken die Vereinigten Staaten ihren Energieverbrauch noch immer größtenteils mit fossilen Brennstoffen ab. Auch Europa ist kein Vorreiter bei der Verwendung von erneuerbaren Energien – hierzulande ist der Anteil an EEG mit 18,9 Prozent nach wie vor relativ niedrig. Die Nutzung von Ökostrom nimmt zwar jährlich zu, dennoch scheint der Durchschnittsverbraucher noch nicht davon überzeugt zu sein. Mittels einer Umfrage im Rahmen einer empirischen Forschung ließe sich die Meinung der Bevölkerung hinsichtlich Ökostroms herausfinden. Diese Umfrage kann politischen Institutionen, aber auch privaten, erneuerbaren Energieerzeugern helfen, geeignete Sensibilisierungs- und Anreizsysteme zur Förderung der Ökostromverbreitung zu erstellen.

Experimentelle Forschungsmethoden

In der experimentellen Forschung kreieren Forschende zunächst ein Experiment und testen im Anschluss ihre Hypothese. Sie schaffen also eine Situation, in der sie eine Variable manipulieren. Diese Herangehensweise der empirischen Studie lässt sich auch verwenden, um Ursache und Wirkung zu überprüfen. Das Experiment zeigt, was mit der unabhängigen Variablen geschieht, wenn jemand Änderungen an der abhängigen Variablen vornimmt. Grundsätzlich lässt sich die experimentelle Forschung in vier Schritte gliedern:

  • Eine Hypothese vorschlagen
  • Mit der Hypothese experimentieren
  • Die Ergebnisse analysieren
  • Die Hypothese verifizieren / falsifizieren

Praxisbeispiel: Ein Unternehmen möchte wissen, warum sein Produkt keine Käufer findet. Die Hypothese ist, dass sich die Rahmenfaktoren des Vertriebs negativ auf die Verkaufszahlen auswirken. Ein Experiment wird aufgebaut: Das Unternehmen nimmt in Prozessen wie Fertigung, Marketing, Betrieb und auch Vertrieb Änderungen vor. Das Experiment zeigt, dass das Verkaufstraining des Vertriebspersonals den wichtigsten Einfluss auf die Marktabdeckung des Produkts hat. Die Hypothese erweist sich in dem Fall als richtig.

Korrelationsforschung

Soll eine empirische Studie die Beziehung zwischen zwei Sets von Variablen ermitteln, lohnt sich die Korrelationsforschung. Um die Ergebnisse solch einer Methode vorherzusagen, ist es wichtig, auf die Regression (Beschreibung des Zusammenhangs) zu achten. Das Ergebnis kann eine positive, negative oder neutrale Korrelation sein.

Praxisbeispiel: Personen mit höherem Bildungsstand erhalten besser bezahlte Arbeitsplätze. Daraus lässt sich schließen, dass eine akademische Ausbildung Personen dazu befähigt, eine finanziell reizvollere Position zu finden als Personen mit einem niedrigeren Bildungsstand.

Längsschnittstudie

Mit der Längsschnittstudie lassen sich die Eigenschaften oder das Verhalten eines Subjekts besser untersuchen – besonders bei Subjekten, an denen Forschende über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Hypothese getestet haben. Die erhobenen Daten können sowohl qualitativ als auch quantitativ sein.

Praxisbeispiel: Eine Längsschnittstudie können Fitnessstudios beispielsweise durchführen, um die Vorteile von Körpertraining zu eruieren. Sie bitten eine Testperson, täglich für einen bestimmten Zeitraum zu trainieren. Die Ergebnisse sollten höhere Ausdauer und vermehrtes Muskelwachstum zeigen. Dies unterstützt die Hypothese, dass körperliche Bewegung dem Individuum zugutekommt.

Querschnitt

Die Querschnittsstudie ist eine Beobachtungsmethode, bei der es gilt, eine Reihe von Testpersonen zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beobachten. Die Testpersonen für diese Methode sollten ähnliche Variablen (Eigenschaften) besitzen. Allerdings sollten sie nicht die zu untersuchenden Eigenschaften vorweisen. Damit lässt sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehung herstellen. Denn die Studie lässt sich nicht über einen kontinuierlichen Zeitraum, sondern nur innerhalb eines definierten, zeitlichen Rahmens durchführen.
Als Teil der empirischen Forschung findet der Querschnitt hauptsächlich im Gesundheitswesen oder im Einzelhandel Anwendung.

Praxisbeispiel: Diese Art von Verfahren findet im medizinischen Bereich Anwendung. Zum Beispiel um die Verbreitung von Unterernährungserscheinungen bei Kindern in einer bestimmten Population ausfindig zu machen. Dazu gehört die Untersuchung einer Vielzahl von Parametern wie Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Standort, Einkommen und sozialem Hintergrund. Weist eine beträchtliche Anzahl von Kindern aus armen Familien Unterernährungssymptome auf, lohnt es sich diesen Umstand in Form weiterer Umfragen und Tests weiter zu untersuchen. In der Regel folgt einer Querschnittsstudie eine Längsschnittstudie, um Klarheit bezüglich der genauen Ursache zu verschaffen.

Kausal-Vergleichsforschung

Diese Methode der empirischen Forschung basiert auf einem Vergleich. Sie wird hauptsächlich verwendet, um die Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen zwei oder sogar mehreren Variablen herauszufinden.

Praxisbeispiel: Ein Institut hat die Produktivität von zwei Mitarbeitergruppen (mit Pausen während der Arbeit und ohne) in einem Unternehmen gemessen.

Qualitative Forschungsmethoden bei einer empirischen Untersuchung

Qualitative Forschungsmethoden dienen dazu, eine ausgewählte Menge an nicht-numerischen Daten zu sammeln und interpretativ auszuwerten. Diese Methode eignet sich gut, um im Rahmen einer empirischen Untersuchung Bedeutungen, Meinungen oder zugrundeliegende Ursachen zu eruieren. Die Studie erfolgt in einem un- oder halbstrukturierten Format. Dabei wenden Forschende in den Stichproben eine Konversationsmethode an, um tiefgehende Informationen zu einer Fragestellung zu erhalten. Qualitative Forschungsergebnisse sind eher deskriptiv als prädiktiv. Diese Methode der empirischen Untersuchung ist daher besonders für komplexere Studien geeignet.

Fallstudienmethode

Bei der Fallstudienmethode studieren Forschende bestehende Fälle sorgfältig, um neue Informationen darüber zu erhalten. Sie eignet sich vor allem für die Unternehmensforschung oder, um empirische Erkenntnisse zu spezifischen Untersuchungszwecken zu erhalten. Es ist dabei wichtig, darauf zu achten, dass die Parameter und Variablen der bestehenden Untersuchung mit der neuen Studie übereinstimmt. Die Ergebnisse der Fallstudie erlaubt Rückschlüsse auf das Thema der Studie.

Praxisbeispiel: Ein Unternehmen stellt seinem Kunden einen Bericht mit einer Problemlösung zur Verfügung. Dieser enthält neben den Ergebnissen und den vorgeschlagenen Lösungen ebenfalls die Herausforderungen, die bei der Initiierung und Bereitstellung entstanden sind. Solche Fallstudien verwenden Unternehmen gerne, um empirisch zu belegen, dass es sich weiterentwickeln muss, um einen höheren Gewinn zu erzielen.

Beobachtungsmethode

Die Beobachtungsmethode befasst sich mit der Beobachtung und der Sammlung von Daten. Sie ist relativ zeitaufwändig und persönlich, generiert jedoch hochwertige Daten und Erkenntnisse. Die Beobachtungsmethode ist ein Teil der ethnographischen Forschung, die sie zur Sammlung empirischer Beweise verwendet. In der Regel handelt es sich hierbei um eine qualitative Methode. Sie kann allerdings ebenso auf quantitative Weise Daten generieren. Dabei sind die Studie und das Subjekt der Studie ausschlaggebend.

Praxisbeispiel: Forschende beobachten für eine bestimmte Zeitspanne ein wildes Tier in freier Wildbahn. Sie untersuchen das Verhalten und Muster des Tieres und sammeln dabei eine Vielzahl an Daten, um ein präzises Ergebnis zu erzielen. Ein weiteres, verbreitetes Anwendungsgebiet ist die Beobachtung des Konsumverhaltens von Menschen, die beispielsweise in einem Einkaufszentrum einkaufen.

Einzelgespräch

Diese Methode ist rein qualitativ und findet sehr häufig Anwendung. Sie ermöglicht sehr präzise, aussagekräftige Daten. Vorausgesetzt, das Einzelgespräch beinhaltet die richtigen Fragen. Ein Einzelgespräch zählt zu den Gesprächsmethoden – das Ergebnis sowie der Umfang von Daten ist also von dem jeweiligen Gespräch sowie dessen Verlauf abhängig.

Praxisbeispiel: Bei einem persönlichen Gespräch mit einem Politiker, sollen Informationen und Daten über politische Vorgänge gesammelt werden. Diese nutzen Interviewpartner, um die Auswirkungen auf die Öffentlichkeit zu analysieren.

Fokusgruppen

Fokusgruppen sind eine effiziente, qualitative Methode, wenn es darum geht, Antworten auf Warum-, Was- und Wie-Fragen zu erhalten. Das Forschungsvorhaben wird in der Regel in kleinen Gruppen durchgeführt. Dabei ist es für das Unternehmen nicht notwendig, mit der Gruppe persönlich in Interaktion zu treten. Ein Moderator spricht die Gruppe an. Produktunternehmen wählen diese Methode häufig, um Daten über ihre Marken beziehungsweise ihr Produkt zu generieren.

Praxisbeispiel: Ein Handyhersteller möchte Feedback zu den Abmessungen eines seiner Modelle bekommen, das noch nicht offiziell zum Verkauf bereitsteht. Eine Fokusgruppe kann hier Aufschluss liefern, um sowohl Kundenanforderungen zu erfüllen als auch eine möglichst schnelle Positionierung am Markt zu realisieren.

Textanalyse

Die Textanalyse ist eine etwas neuere Methode. Damit lassen sich beispielsweise Vorgänge des sozialen Lebens analysieren. Dafür werden Bilder oder Worte einer einzelnen Person untersucht. Diese Forschungsmethode findet häufig im Social-Media-Bereich Anwendung.

Praxisbeispiel: Unternehmen bitten oftmals Kunden um Feedback bezüglich ihres Kundenserviceteams. Hier werden aktiv Daten erhoben, um personaltechnische Entscheidungen zu treffen und den Service allgemein zu verbessern.

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