Wie erstelle ich einen Fragebogen?


Jeder erfolgreichen Umfrage liegt ein gut ausgearbeiteter Fragebogen zugrunde. Dieser muss die richtige Zielgruppenansprache treffen, geeignete Fragen beinhalten, eine angemessene Länge aufweisen und zahlreiche weitere Kriterien erfüllen. Der folgende Leitfaden erklärt, was bei der Erstellung eines Fragebogens zu beachten ist.

Vor der Erstellung eines Fragebogens

Mit Hinblick auf das umfassende Forschungsthema muss zunächst das Ziel des Fragebogens definiert werden: Welche Erkenntnisse soll die Umfrage liefern?
Die übergeordnete Forschungsfrage und weitere Fragen, die sich aus ihr ergeben, sollen diese Ergebnisse liefern.
Soll beispielsweise erforscht werden, wie sich das Wetter auf die Leistung der Mitarbeiter auswirkt, könnten untergeordnete Fragen wie folgt aussehen:

  • Ist die Stimmung bei warmen Temperaturen besser?
  • Bewirkt Regen schlechte Laune?
  • Inwiefern können technische Hilfsmittel wie Heizungen oder Klimaanlagen die Leistung verbessern oder verschlechtern?

Theoretisch könnte eine unbegrenzte Zahl an Fragen angeführt werden. Daher ist es wichtig einen Fokus zu setzen und das Thema einzugrenzen. Im oben beschriebenen Beispiel könnte sich die Forschung beispielsweise lediglich auf die Mitarbeiter eines Marketingunternehmens konzentrieren.

Bevor es an die eigentliche Forschung geht, lohnt es sich zudem nach ähnlichen Studien zu suchen. Wurden entsprechende Untersuchungen bereits durchgeführt? Diese beinhalten unter Umständen schon Antworten auf Fragen, die Sie mit Ihrer Umfrage beantworten wollten. Beziehen Sie die daraus hervorgehenden Erkenntnisse in Ihrer Studie mit ein und konzentrieren Sie sich stattdessen in Ihrer Umfrage auf noch offene Fragen.

Fragebogen erstellen mit unterschiedlichen Fragetypen

Bei der Erstellung eines Fragebogens kommen verschiedene Fragetypen infrage. Doch nicht immer sind alle für eine Umfrage relevant. Daher muss zunächst ausgelotet werden, welche Typen sich für das Ziel besonders gut eignen.
Zusätzlich gilt es jedoch bei allen Arten von Fragen auf folgendes zu achten:

  • Keine wertenden Fragen
  • Kurze und prägnante Fragen
  • Keine oder nur wenige Fremdwörter
  • Keine doppelte Verneinung
  • Keine wirren Satzstrukturen
  • Keine Suggestivfragen
  • Keine hypothetischen Fragen

Offene Fragen

Bei offenen oder explorativen Fragen werden keine Antworten vorgegeben. Teilnehmer können an dieser Stelle ihre individuellen Meinungen, Einstellungen oder Ideen zum Ausdruck zu bringen. Generell werden offene Fragen eher qualitativen Umfragen zugeordnet, da sie zwar inhaltlich wertvolle Resultate liefern können, sich allerdings nicht so einfach quantifizieren lassen. Doch auch in Fragebögen mit vorrangig geschlossenen Fragen finden sie Anwendung:

  • Als Einstiegsfrage, damit Teilnehmer motiviert sind ihre Erlebnisse zu teilen und sich thematisch auf die weiteren Fragen einstellen können.
  • Wenn neue Aspekte und Inhalte (zum Beispiel Produktkategorien) aufgedeckt werden sollen, an welche die Studienleiter vielleicht selbst noch nicht gedacht haben.
  • Zum Abschluss eines Fragebogens, um Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung mit eigenen Worten zu formulieren, Verbesserungswünsche anzugeben oder sonstige Anmerkungen loszuwerden.

Offene Fragen sind zum Beispiel:

  • Was fehlt Ihnen im Produktsortiment?
  • Welche positiven oder negativen Erfahrungen haben Sie mit XY gemacht?
  • Warum würden Sie XY nicht weiterempfehlen?

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Geschlossene Fragen

Geschlossene Fragen bezeichnen alle Fragen, bei denen konkrete Antwortmöglichkeiten vorgegeben sind. Ein Vorteil besteht darin, dass die Beantwortung schnell und mühelos erfolgt. Zum anderen lassen sich die Resultate leicht auswerten und zusammenfassen.
Zu den geschlossenen Fragen gehören dichotome Fragen, bei denen es lediglich zwei gegensätzliche Antwortoptionen (oft ja oder nein) gibt:

Haben Sie bereits ein Produkt von uns gekauft?

  • Ja
  • Nein

Trichotomische Fragen beinhalten zusätzlich eine neutrale Antwortmöglichkeit:
Sollte „Hitzefrei“ auch für die Arbeit gelten?

  • Ja
  • Nein
  • Weiß nicht

Daneben gibt es noch polytomische Fragen, bei denen mehr als drei Antwortalternativen aufgeführt werden. Diese werden noch weiter unterteilt, in die Anzahl der Antworten, die ein Teilnehmer geben kann:

  • Single Choice / Auswahlfragen: Der Teilnehmer darf nur eine Option auswählen
  • Multiple Choice / Aufzählungsfragen: Der Teilnehmer darf mehrere Antworten pro Frage auswählen.

Welche Farbe hat Ihre Wand im Schlafzimmer?

  • Weiß
  • Blau
  • Schwarz
  • Grün
  • Rot
  • Gelb

Sowohl offene als auch geschlossene Fragen unterscheiden sich von ihrem inhaltlichen Fokus, daher gibt es noch weitere Fragekategorien.

Demografische Fragen

Demografische Fragen bezeichnen Fragen zur Person. Sie dienen dazu Informationen über den Hintergrund der Teilnehmer herauszufinden. Mithilfe demografischer Fragen werden beispielsweise Zielgruppen näher eingegrenzt oder die Relevanz von Kandidaten für die Umfrage festgestellt. Dazu gehören unter anderem Fragen zu:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Konfession
  • Wohnort
  • Beruf
  • Staatsangehörigkeit

Weitere Fragen

Offene und geschlossene Fragen lassen sich zudem nach inhaltlicher Ausrichtung und Funktion unterteilen. Daher sollten weitere Fragekategorien bei der Erstellung eines Fragebogens berücksichtigt werden:

  • Bewertungsfragen nutzen eine Bewertungsskala, die numerisch oder textuell definiert sein kann:
    • Wie zufrieden sind Sie mit dem Produkt?
      • Sehr zufrieden
      • Zufrieden
      • Weniger zufrieden
      • Gar nicht zufrieden
  • Filterfragen sollen Teilnehmer in verschiedene Gruppen / Kategorien einordnen:
    • Arbeiten Sie in Vollzeit?
      • Ja
      • Nein
  • Verhaltensfragen / Überzeugungsfragen erfragen die Meinung, Überzeugung oder Beurteilung einer Person. So soll beispielsweise eine Aussage als wahr oder falsch eingestuft werden oder eine Einstellung kundgetan werden:
    • Handys sind nützlicher als Festnetztelefone
      • Wahr
      • Falsch
    • Wer wird Ihrer Meinung nach den XY-Filmpreis gewinnen?

Fragebogen gestalten: Struktur

Wichtig für die Erstellung eines Fragebogens ist die passende Struktur. Diese hilft den Probanden sich in der Umfrage zurechtzufinden und soll sie zudem motivieren wahrheitsgemäß zu antworten. Generell empfiehlt es sich, bei der Fragebogenerstellung diesem Aufbau zu folgen:

  1. Einleitung – kurze Beschreibung, wer die Umfrage durchführt, welcher Zweck damit verfolgt wird und warum der Teilnehmer mitmachen sollte.
  2. Anleitung – wie der Fragebogen ausgefüllt und was dabei beachtet werden soll. Ist oft Teil der Einleitung.
  3. Hauptteil – dieser Abschnitt enthält alle inhaltlichen Fragen. Die Fragen sollten hier nach zwei Regeln sortiert werden:
    1. vom Allgemeinen zum Konkreten
    2. vom Einfachen zum Abstrakten
  4. Demografische Fragen – wichtige Informationen zur Person werden in diesem Teil abgefragt.
  5. Abschluss – Option, sich bei Probanden zu bedanken und ihnen die Möglichkeit zu geben, Anmerkungen zu machen.

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